Gruppenbilder: Wenn der Fotograf zum Dirigenten wird

Jeder hat schon mal eines gemacht oder war zumindest auf einem drauf: Gruppenfotos. Zumeist entstehen diese Bilder einer ganzen Gruppe von Menschen zur Erinnerung an ein besonderes Erlebnis. Eltern zücken die Kamera beim Kindergeburtstag, Touristen beim Städtetrip. Die Aussage der Bilder: Wir haben zusammen einen schönen Moment erlebt und die Aufnahme soll uns daran erinnern. Doch aus den Bildern lässt sich noch mehr herauslesen. Denn anhand der Personen im Bild und ihrer Interaktion kann man sehen, in welcher Beziehung sie zueinander stehen und welches Verhältnis sie zueinander haben. Damit handelt es sich bei Gruppenfotos um eine der intimsten Arten der Fotografie.

Abstand zwischen den Personen

Je näher Personen beisammenstehen, desto intimer ist die Beziehung. Nehmen wir zum Beispiel einen Workshop, an dessen Ende der Leiter noch ein Gruppenfoto mit den Teilnehmern machen möchte. Auch wenn alle Spaß hatten und die Laune gut ist, werden sie wahrscheinlich zueinander einen gewissen Abstand halten. Denn ihre Beziehung ist nicht nah genug für Körperkontakt – anders als bei einer Familie oder einem Pärchen, die sich auch in den Arm nehmen. Das solltet ihr als Fotograf:in immer im Hinterkopf behalten. Denn Personen eng zusammenzustellen erzeugt Intimität, die auch unangenehm sein kann. Eure Aufgabe ist daher von vornherein, die Personen im Bild so zu verteilen, dass zum einen eine schöne Aufnahme entsteht und zum anderen alle Abgelichteten entspannt sind.

Kreative Gruppenbilder

Auch wenn Gruppenbilder oft nur als Schnappschuss entstehen, können kreative Fotograf:innen sich hier richtig ausleben. Ihr könnt die Anzahl der Personen verändern, ihre Anordnung im Bild und natürlich, wie bei jedem anderen Porträt, auch das Licht. Bei der Kleidung habt ihr ebenfalls viel Spielraum. Möchten ihr einen einheitlichen Look der Gruppe mit blauen Jeans und weißen Hemden oder eher viele unterschiedliche Stile im Bild? Alles ist möglich.

Die Anordnung

Die größte Herausforderung ist eine geeignete Anordnung der Personen im Bild. Jeder Einzelne sollte klar und deutlich zu erkennen sein und nicht von den Körpern der anderen verdeckt werden. Vermeidet dabei, eure Modelle in einer Reihe von links nach rechts aufzustellen, sondern nutzt auch die Tiefendimension. Das macht das Bild spannender und lässt sich beispielsweise auf einer Treppe sehr einfach umsetzen. Wenn ihr eure Protagonisten auf die Stufen stellt oder setzt, wirkt das Bild schon viel interessanter, als wenn alle in einer Reihe stehen. Besonders wichtig sind klare Anweisungen an die Gruppe. Je mehr Personen im Bild erscheinen sollen, desto präziser müssen ihr ihnen ihre Position zuteilen. Ihr seid der Dirigent und die Porträtierten euer Orchester.

Gruppenbilder neu denken

Im Prinzip lassen sich sämtliche Ansätze der Porträtfotografie auch auf eine Gruppe anwenden. So könnt ihr beispielsweise die gleiche Perspektive wählen oder einen identischen Lichtaufbau verwenden. Eine kreative Spielart des Gruppenfotos sind von den Personen gebildete symmetrische Muster. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, die Leute so aufzustellen, dass ihre Köpfe im Bild ein Dreieck ergeben. Empfehlenswerte „Studienobjekte“ sind Aufnahmen von Musikgruppen. Hier findet sich sehr viel originelles, inspirierendes Material.