7 Tipps für stimmungsvolle Aufnahmen zur Blauen Stunde

Die sogenannte Blaue Stunde beschert Landschaftsfotografen wunderschöne Aufnahmen eines tiefblauen Himmels in den Morgen- und Abendstunden. Wie der Name schon andeutet, unterscheidet sich die Blaue Stunde in ihrer Lichtcharakteristik sehr deutlich von der Goldenen Stunde. Während die Goldene Stunde bei tiefstehender Sonne eintritt und die Umgebung in ein orange- und goldfarbenes Licht taucht, ist die Sonne während der Blauen Stunde noch, oder wieder, vollständig hinter dem Horizont verschwunden. Dann ist die Sonne zwar nicht direkt zu sehen, ihr Restlicht erhellt aber den Himmel und führt zu einer intensiven Blaufärbung.

Deshalb verändert sich die Farbe des Lichts für unser Auge

Die verschiedenen Lichtfarben hängen mit einem physikalischen Phänomen zusammen. Das eigentlich weiße Licht besteht aus verschiedenen Wellenlängen, die für unser menschliches Auge wiederum verschiedenen Farben entsprechen. Wenn das Sonnenlicht in der Atmosphäre gestreut wird, kommen, je nach Position der Sonne, mal die Wellenlängen für die wärmeren und mal die für die kühleren Farben des Lichts stärker durch. Während wir also bei tiefstehender Sonne zur Goldenen Stunde eher die Wellenlängen der warmen Lichtfarben wahrnehmen, verändert sich die Situation nach Sonnenuntergang deutlich. Statt der warmen Farben nehmen wir zur Blauen Stunde die Wellenlängen der kühleren Lichtfarben stärker wahr. Ist noch ein kleines Stück der untergehenden Sonne zu sehen, erhaltet ihr eine schöne Mischung aus Orange und einem tiefen Blau weiter oben am Himmel. Blau und Orange sind Komplementärfarben und wirken deshalb sehr harmonisch zusammen.

Wie lange dauert die Blaue Stunde?

Auch wenn von einer Blauen „Stunde“ gesprochen wird, ist der Zeitraum, den ihr für diese Aufnahmen zur Verfügung habt, meist kürzer. Die Zeitangaben sind hier sehr unterschiedlich und richten sich nach dem Aufnahmeort, der Jahreszeit und der Wetterlage. Am einfachsten ist es, wenn ihr euch eine entsprechende App für euer Smartphone herunterladet. Für Android gibt es zum Beispiel die kostenlose App „PhotoTime: Rechner Goldene Stunde und Blaue Stunde“. Im App Store von Apple könnt ihr euch die einfache und kostenlose App „blaue Stunde“ ansehen. Über die Apps habt ihr die Möglichkeit, euch für den jeweiligen Tag und Aufnahmeort den genauen Zeitraum für die Blaue Stunde anzeigen zu lassen. So könnt ihr eure Aufnahmen besser planen.

Sucht euch einen schönen Vordergrund

Der tiefblaue Himmel ist zwar an sich schon ein schönes Motiv – noch spannender wird es aber, wenn ihr bei eurem Bildaufbau zusätzlich auf einen interessanten Vordergrund achtet. Wenn ihr euch in einer App informiert habt, wann die Blaue Stunde beginnt, habt ihr vorab Zeit, nach der idealen Aufnahmeposition zu suchen. Sehr stimmungsvoll wirken Bilder der Blauen Stunde am Wasser, also am Meer oder an einem See. In dem Fall spiegelt sich der intensiv blaue Himmel zusätzlich im Wasser. Doch auch in der Stadt lohnt es sich, auf die Blaue Stunde zu warten und sie mit den Lichtern der Häuser und Laternen zu kombinieren.

Unsere Aufnahme-Tipps für optimale Ergebnisse:

Tipp 1: Vom Stativ fotografieren

Am besten gelingen die Aufnahmen der Blauen Stunde von einem Stativ. Das gibt euch die Ruhe, das Bild nach euren Wünschen aufzubauen und verschiedene Belichtungseinstellungen durchzutesten. Außerdem setzen Aufnahmen bei Blauer Stunde üblicherweise lange Belichtungszeiten voraus. Das werdet ihr aus der freien Hand kaum ruhig halten können. Solltet ihr kein Stativ dabeihaben, reicht auch ein stabiler Untergrund wie zum Beispiel ein Stein oder eine Mauer.

Tipp 2: Die optimale Belichtung finden

Wenn ihr euren Vordergrund ebenfalls scharf abbilden möchtet, müsst ihr die Blende schließen. Je nach Sensorgröße sind Blendenwerte zwischen f/5,6 und f/11 empfehlenswert. Um Bildrauschen zu vermeiden, empfehlen wir dazu eine niedrige ISO-Empfindlichkeit von ISO 100 oder ISO 200. Bleibt noch die Belichtungszeit: Da bei einer geschlossenen Blende weniger Licht auf den Sensor trifft, müsst ihr bei diesen Einstellungen recht lange belichten. Sollten über 30 Sekunden nötig sein, wechselt ihr in den „Bulb-Modus“ und schließt einen Fernauslöser an. In dem Fall belichtet die Kamera so lange, wie der Knopf am Auslöser gedrückt wird. Für Belichtungszeiten bis 30 Sekunden braucht ihr nicht zwingend einen Fernauslöser. Da könnt ihr auch mit dem Selbstauslöser der Kamera arbeiten.

Tipp 3: Lange belichten ohne Fernauslöser

Habt ihr keinen Fernauslöser dabei, weil ihr euch vielleicht ganz spontan an einem schönen Ort dazu entscheidet, die Blaue Stunde abzuwarten, dann gibt es zwei Möglichkeiten, um die maximal in der Kamera einstellbaren 30 Sekunden nicht zu überschreiten. Ihr könnt entweder die ISO-Empfindlichkeit erhöhen oder die Blende öffnen. Beides sorgt dafür, dass der Sensor mehr Licht empfängt. Ihr könnt natürlich auch beides miteinander kombinieren. So lassen sich auch nur mit dem Selbstauslöser der Kamera schöne Aufnahmen erzielen.

Tipp 4: Werft einen Blick auf das Histogramm

Achtet bei euren Aufnahmen am besten immer auf das Histogramm. Das lässt sich bei den meisten Kameras über die Display- oder Info-Taste einblenden. Es zeigt euch, wann die Aufnahme, beziehungsweise einzelnen Bereiche im Bild, tendenziell überbelichten. Dann solltet ihr die Belichtung etwas verkürzen, da sich überbelichtete Bereiche im Bild oft nicht wiederherstellen lassen.

Tipp 5: Im RAW-Format aufnehmen

Wir empfehlen euch, die Fotos der Blauen Stunde im RAW-Format aufzunehmen. Auf diese Weise habt ihr hinterher den größtmöglichen Spielraum, um die Belichtung, die Farben und evtl. auch das Bildrauschen anzupassen. Mit JPEGs geht das zwar zum Teil auch – das JPEG-Format speichert allerdings deutlich weniger Bildinformationen, sodass euer Spielraum für nachträgliche Korrekturen stark eingeschränkt ist.

Tipp 6: Manuell per Live-View scharfstellen

Wenn das Umgebungslicht abnimmt, wird es für den Autofokus eurer Kamera zunehmend schwerer, auf das Motiv scharfzustellen. Für Aufnahmen der Blauen Stunde solltet ihr daher auf jeden Fall manuell im MF-Modus fokussieren. Das funktioniert am besten über die Live-View-Ansicht auf eurem Kameramonitor. Wenn ihr den Fokusring im MF-Modus dreht, erscheint bei einigen Kameras automatisch eine Lupenfunktion im Display. Sollte sich die digitale Lupe nicht automatisch öffnen, könnt ihr sie über die Lupentaste an eurer Kamera aufrufen. Die Lupe erstellt eine digital vergrößerte Ansicht eines Punkts, den ihr anvisiert habt. Bei dunkler Umgebung kann das Lupenbild sehr körnig wirken. Es reicht aber, wenn ihr Konturen seht und beim Drehen des Fokusrings einschätzen könnt, ob sie scharf oder unscharf sind.

Tipp 7: Ausreichend Ersatzakkus einpacken

Lange Belichtungszeiten können sich recht schnell auf eure Akkulaufzeit auswirken. Vor allem, wenn ihr viele Aufnahmen macht und vielleicht vorher schon beim Sonnenuntergang lange belichtet habt. Nehmt euch deshalb am besten 1-2 Ersatzakkus mit, damit euch während der Blauen Stunde nicht plötzlich der Strom ausgeht.