Bilder: Jason Michael Beland

Von Mario bis Popeye: Spielzeugfiguren erleben Abenteuer

Fotograf Jason Michael Beland hat weltweit bekannte Spielfiguren in außergewöhnlichen Bildern inszeniert. Der in Quebec City, Kanada, lebende Beland lehrt am College und verbringt seine Freizeit am liebsten mit der Familie und seinen vielen kreativen Ideen rund um die Spielzeugfotografie. Mit Liebe und Hingabe wurde aus dem Hobby eine Kunstform. Heute sind seine Aufnahmen auf mehreren Fanseiten, in Podcasts und auf Conventions zu sehen. Wir haben ihn gefragt, woher er seine Ideen nimmt und wie lange es dauert, solche Action-Aufnahmen in Szene zu setzen.

„Es gibt viele verschiedene Ansätze, die mich inspirieren. Das kann zum Beispiel die Pose oder der Ausdruck einer Spielfigur sein. Manchmal sind es auch Gespräche, die ich mit anderen führe, eine Erinnerung, der Text eines Liedes oder auch eine Situation, die eine bestimmte Idee bei mir hervorrufen. Meine Lieblingsideen basieren meistens auf Erinnerungen, die ich habe, oder auf Umständen, in denen neue Erinnerungen entstehen. Die Zeit, die ich für eine Aufnahme benötige, kann zwischen einer Stunde und ein paar Tagen variieren.

Popeyes Kampf mit dem Hai wird zum Familienprojekt

Ich habe zum Beispiel eine Aufnahme gemacht, in der sich Popeye auf den Kampf mit einem Hai vorbereitet. Popeye steht dabei ohne Hemd auf einem Floß mit einer Dose Spinat in der Hand und sieht einen Hai, der bedrohlich aus dem Meer springt. Hinter dem Foto steckt eine lustige Zeit mit meinen Eltern. Durch die Pandemie hatte ich meine Mutter und meinen Vater seit etwa einem Jahr nicht mehr gesehen. Als es dann wieder möglich war, habe ich sie besucht und dabei die Popeye-Figur mitgenommen, weil ich wusste, dass sie meinem Vater gut gefällt. Ich wollte sie ihm zeigen und gemeinsam mit ihm eine Aufnahme damit umsetzen. Mein Vater freut sich immer, wenn er sieht, wie meine Bilder hinter den Kulissen entstehen.

Bild: Jason Michael Beland

Ich hatte zuerst die Idee, dass Popeye den Hai wie einen Stier reitet, der aus dem Meer springt. Das Ergebnis gefiel mir dann am Ende aber nicht, weshalb ich das Bild nie veröffentlicht habe. Meine Eltern brachten mich dann auf eine tolle Idee. Mein Vater baut gerne Dinge und hat mir deshalb eine Reihe von Requisiten für meine Fotos gebastelt. Meine Mutter machte dann den Vorschlag, dass mein Vater ein kleines Floß baut und Popeye nicht auf dem Hai reitet, sondern auf dem Floß unterwegs ist. Fünf Minuten später waren mein Vater und ich draußen und suchten tote Äste, um das Floß zu bauen. Wir brauchten etwa eine Stunde, bis es fertig war.

Die Bildidee erinnerte mich an die Aufnahme des befreundeter Spielzeugfotografen Felton (Yasuke_79), der mal eine Nosferatu-Figur auf einem Boot fotografiert hat. Sein Set bestand aus einem mit Wasser und schwarzer Farbe gefüllten Becken, das einen gruseligen schwarzen Fluss darstellen sollte. Das Bild und der Aufbau gefielen mir so gut, dass ich versucht habe, es auf meine eigene Weise nachzustellen – aber ohne die schwarze Farbe!

Ich bat meinen Vater um einen Plastikwanne, eine weiße Plane für den Hintergrund, zwei schwarze Müllsäcke und zwei relativ große Steine. Dann haben wir alles auf der Terrasse aufgebaut. Wir legten die Müllsäcke auf den Boden der Plastikwanne und füllten sie mit Wasser. Durch die Reflektion der Müllsäcke erschien das Wasser etwas dunkler, blieb aber klar. Das war mir wichtig, weil ich Wellen erzeugen wollte. Die schwarzen Müllsäcke waren somit meine Alternative zur schwarzen Farbe. Die Steine legten wir auf den Boden des Behälters und nutzten sie zum einen, um den Hai und Popeye darauf abzustellen, und zum anderen, um die Müllsäcke zu fixieren. Als wir fertig waren, habe ich nach der optimalen Perspektive für das Bild gesucht und die ersten Aufnahmen gemacht. Da ich meinem Vater zeigen wollte, wie einige der Effekte in meinen Bildern entstehen, habe ich ihn gebeten, mir beim Popeye-Bild bei den Wellen zu helfen. Dafür hat er mit Pressluft aus der Dose auf die Wasseroberfläche gezielt.

Diese Aufnahme ist für mich etwas Besonderes, weil hier einfach so viele Dinge zusammenkamen, um dieses Bild von der Idee bis zur Umsetzung zu verwirklichen. Insgesamt hat die Aufnahme einige Tage gedauert.

Bildidee basiert auf einer Erinnerung aus der Highschool-Zeit

Ein anderes Bild, das mir persönlich am Herzen liegt, ist das mit der DamToys Metal Head Tony-Figur, die Rauchringe bläst, die so groß sind, dass ihr Fuß hindurch passt. Diese Idee stammt aus meiner Highschool-Zeit. Ein Freund von mir war Raucher und blies gerne Rauchringe. Er war so gut darin, dass er die Ringe sogar in verschiedenen Größen erzeugen konnte. Einige davon waren so groß, dass er seinen Fuß hindurchstecken konnte. Außerdem arbeitete er zufällig in der Autowerkstatt seines Vaters, die er inzwischen übernommen hat. Die Figur des Metal Head Tony erinnerte mich also an einen alten Freund und so habe ich ihm durch die Kombination der Rauchringe und der Werkstatt diese Aufnahme gewidmet. Für das Bild habe ich etwa zwei Stunden gebraucht.

Bild: Jason Michael Beland

Spannende Crossover

Manchmal versuche ich Dinge zu finden, die die Figuren gemeinsam haben. Ich habe zum Beispiel ein Foto, auf dem Link aus Legend of Zelda ein Huhn stehlen möchte, während Gonzo aus der Muppet Show im Hintergrund in Panik gerät, weil seine geliebte Camilla in Gefahr ist. Beide Figuren haben mit dem Huhn eine Gemeinsamkeit, also dachte ich, es wäre doch lustig, dieses Crossover zu inszenieren.

Das Gleiche gilt für die Aufnahme von Mario, der von einem Velociraptor gejagt wird. Die Idee ist, dass Yoshi völlig genervt von Mario ist und beschließt, ihn zu fressen. Der Raptor ist also ein verärgerter Yoshi.“

Weitere Infos zu Jason Michael Beland, seinen Bildern und zu Videos hinter den Kulissen findet ihr über die folgenden Links:

https://www.jasonbmichaeltoyphotography.com/
https://www.tiktok.com/@jasonbmichael?
https://www.facebook.com/jasonbmichaeltoyphotos