Reisefotografie – Teil 2: Die wichtigsten Fragen für Reise-Fotografen

Reisenden stellen sich viele Fragen, mit deren Beantwortung sich ganze Blogs und Magazine füllen lassen. In Teil 2 unserer Serie zur Reisefotografie konzentrieren wir uns auf die Reisefragen, die in erster Linie Fotografen betreffen.

Was brauche ich an Equipment?

Kamera

Smartphone-Fotos reichen euch nicht aus und ihr wünscht euch eine bessere Bildqualität? Dann könnt ihr euch zwischen Spiegelreflex, spiegellosen und hochwertigeren Kompaktkameras entscheiden. Je weiter man diese Reihe hinabsteigt, desto kleiner und leichter die Kamera. Den besten Kompromiss zwischen Größe, Bildqualität und Leistung bieten euch die spiegellosen Systemkameras (DSLMs), die es mittlerweile in allen Preisklassen gibt. Die handliche Nikon Z 50 mit einem APS-C-Sensor wird zum Beispiel mit einem kompakten Standardzoom angeboten.

Objektiv

DSLMs haben, wie DSLRs, den Vorteil, dass ihr das Objektiv wechseln könnt. Doch wer viele Optiken hat, möchte häufig mehr mitnehmen, als in die Kameratasche oder den -rucksack passen. Hobbyfotografen genügt für viele Aufnahmesituationen meist ein Standardzoom mit einer Brennweite von 24-70 mm (KB). Eine sehr flexible Alternative sind so genannte Reisezooms mit großen Zoomspannen wie 18-200 mm oder sogar 18-400 mm. Ambitionierte Fotografen, die sich eine bessere Bildqualität wünschen, greifen zu einem lichtstarken Standardzoom, oder kompakten und lichtstarken Festbrennweiten.

Akkus

Sie gehören mit zum wichtigsten Zubehör. Davon kann man nie genug haben, denn unterwegs ist die Stromversorgung nicht immer garantiert. Stets genügend Strom für einen Fototag dabeizuhaben, ist entscheidend. Wenn ihr täglich Zugang zu einer Steckdose habt, reichen auf Reisen zumeist zwei Akkus, um einen normalen Fototag abzudecken. Bei stromfressenden Kameras nehmt ihr lieber noch ein, zwei weitere mit, oder packt zusätzlich eine Powerbank ein.

Speicherkarten

Und natürlich benötigt ihr genügend Speicherkapazität, damit ihr fotografieren könnt, ohne euch beschränken zu müssen. Wir würden Speicherkarten zwischen 32 und 64 GByte empfehlen und davon auf jeden Fall ein paar mehr. Sollte unterwegs eine kaputtgehen, so habt ihr in jedem Fall eine Ersatzkarte dabei. Außerdem seid ihr, wenn die einzelnen Karten eine geringere Kapazität besitzen, gezwungen, diese regelmäßig zu wechseln. Wenn ihr nun eine Karte verliert oder diese beschädigt wird, so gehen euch nicht gleich alle Bilder verloren.

Stativ

Möchtet ihr einen Sonnenuntergang oder an dunkeln Orten, etwa in einer Höhle oder Gebäuden, fotografieren, benötigt ihr ein Stativ, um lange belichten zu können. Wir empfehlen daher ein kleines Reisestativ, wie das Rollei Compact Traveler No. 1 Carbon, das sich gut am Rucksack oder im Reisekoffer verstauen lässt. Falls euch das Reisestativ noch zu groß sein sollte, könnt ihr für eine gelegentliche Stabilisierung auch ein kleines Ministativ, wie das GorillaPod 3K PRO Kit, mitnehmen. Ministative sind sehr kompakt und verschwinden ruck, zuck im Rucksack.

Filter

Wer Landschaften fotografieren möchte, der nimmt sich am besten noch einen Satz Filter mit – sowohl ND-Filter für Langzeitbelichtungen, Verlaufsfilter zum Ausgleichen der Helligkeit zwischen Himmel und Erde, sowie Polfilter zum Reduzieren von Reflexionen auf Gewässern. Klingt nach viel, doch Filter gibt es häufig im Set inklusive Transporttasche. Beim Rollei Bundle Mark II Rechteckfilter Set bekommt ihr zum Beispiel einen Filterhalter samt Adapterringen, vier Rechteckfilter und eine Transporttasche. Dadurch ist der Platzbedarf in Fototasche oder -rucksack recht gering.

Actioncam

Im Urlaub braucht ihr zwar nicht unbedingt eine Actioncam – sie bietet euch aber vor allem bei sportlichen Aktivitäten eine gewisse Flexibilität. Für Bergsteiger, Taucher, Fahrrad- und Motorradfahrer sind sie eine nette Ergänzung zu einer klassischen Kamera, da ihr die Cams am Körper tragen oder am Gefährt befestigen könnt und so eure Hände frei habt.

Wie könnt ihr eure Kamera unterwegs mit Strom versorgen?

Kamera, Handy, GPS-Tracker – heutzutage führen wir allerhand elektronische Geräte im Gepäck mit. Doch die Akkuenergie ist begrenzt und muss früher oder später erneuert werden. Ärgerlich, wenn dann keine Steckdose in der Nähe oder diese nicht mit dem eigenen Ladegerät kompatibel ist. Hier sind ein paar Tipps, wie ihr in fremden Ländern Energie tanken könnt.

Solarzellen

Ein Solar-Ladegerät, wie der Choetech 22W Solar Charger, ermöglicht es, unterwegs Sonnenlicht in Energie umzuwandeln. Anders als die Panels, die auf Hausdächern installiert werden, ist der Charger zusammenfaltbar und passt locker ins Handgepäck. Eine geschlossene Wolkendecke beeinträchtigt die Leistung. Ihr müsst eure Kamera nicht direkt damit aufladen, sondern könnt auch eine Powerbank an das Panel anschließen und als Vorratsspeicher nutzen.

Powerbanks

Diese portablen externen Akkus, die per USB geladen werden können, sind die beste Variante, um euer Equipment unterwegs mit Strom zu versorgen. Sie fallen relativ kompakt aus und laden eure Kamera zuverlässig wieder auf, sofern diese über einen USB-Anschluss zum Laden verfügt. Empfehlen können wir beispielsweise die RealPower PB-20000PD+. Achtet auf jeden Fall immer darauf, die Energieträger beim nächsten Hotelaufenthalt wieder komplett aufzuladen.

Fahrrad-Dynamos

Wenn ihr mit dem Fahrrad durch euren Urlaub radelt, könnt ihr eure Akkus auch per Muskelkraft aufladen. Schließt dazu einfach an euren Dynamo ein passendes Ladegerät wie das E-Werk von Busch+Müller an. Das ist effizienter als beispielsweise Solarpanels und funktioniert bei jedem Wetter. Bereits bei einer Geschwindigkeit von 15 km/h soll die Leistung eines Standardnetzteils erreicht werden, verspricht der Hersteller.

Steckdosen-Adapter

Steckdosen sind eine Wissenschaft für sich. Während wir in Europa größtenteils unsere heimischen Stecker verwenden können, scheitern wir bereits auf der anderen Seite des Ärmelkanals. Auch in Nordamerika oder China sehen die Buchsen in der Wand komplett anders aus, als wir es gewohnt sind. Das Problem lässt sich mithilfe eines Adapters lösen. Besorgt euch aber gleich ein universelles Modell wie etwa den Extsud-Universal-Reiseadapter, der mit allen Steckdosen weltweit kompatibel ist.

Wie viele Akkus darf ich ins Flugzeug mitnehmen?

Nicht erst seit Samsungs Galaxy-Note- 7-Smartphones plötzlich Feuer fingen, gelten in Flugzeugen strenge Regeln für die Mitnahme von Akkus und Powerbanks. Die meisten Airlines beschränken Menge und Kapazität von Batterien im Gepäck. Aus gutem Grund: Die kleinen Energielieferanten beinhalten das chemische Element Lithium, das sehr reaktionsfreudig ist. Wird eine Lithium- Ionen-Batterie beschädigt, kann sie sich selbst entzünden. Zwar müssen alle Hersteller ihre Lithium-Ionen-Batterien ausgiebig testen, dennoch bleibt ein Restrisiko. Jede Fluglinie bestimmt daher individuell, wie viele Akkus sie zulässt. In der Regel ist die Mitnahme von Ersatzakkus im Handgepäck erlaubt, sofern deren Kapazität unter 100 Wh (Wattstunden) liegt und sie höchstens zwei Gramm Lithium beinhalten. Bei größeren Mengen von mehr als zwei Akkus bedarf es einer Absprache mit der Airline. Generell lohnt vor dem Flug ein Blick auf die Website der Fluglinie.

Wie sichere ich unterwegs Bilder?

Nichts ist ärgerlicher, als seine schönen Reiseaufnahmen zu verlieren, sei es durch Diebstahl oder Beschädigung der Speicherkarte. Erstellt daher – auf Reisen am besten jeden Abend – Sicherungskopien von euren Bildern, und zwar wenn möglich auf unterschiedlichen Speichermedien. Das beginnt mit der SD-Karte in eurer Kamera. Ist sie bereits mit Fotos gut gefüllt, kopiert ihr das Bildmaterial auf einen anderen Datenträger, beispielsweise einen Laptop oder eine externe Festplatte. Doch formatiert die SD-Karte hinterher nicht, sondern steckt stattdessen eine neue Karte in eure Kamera. So sind eure Aufnahmen an zwei unterschiedlichen Orten gespeichert; sollte nun euer Laptop oder die Speicherkarte kaputtgehen, verfügt ihr immer noch über eine Kopie. Wenn ihr noch eine Sicherungsstufe mehr haben möchten, dann ladet euer Bildmaterial in eine Cloud wie zum Beispiel Google Drive. Selbst wenn dann alle eure Geräte den Geist aufgeben oder gestohlen werden sollten, bleiben die Bilder erhalten und ihr könnt online von überall auf der Welt auf sie zugreifen. Achtung, die kostenlosen Varianten der Cloudanbieter stellen oft nur ein paar wenige Gigabyte Speicherkapazität bereit. Wer mehr will, muss zahlen.

Darf ich Gebäude fotografieren?

In Deutschland dürft ihr prinzipiell Gebäude von der Straße aus fotografieren, also aus der Sicht eines Passanten – das gilt als Panoramafreiheit. Hilfsmittel wie Leitern oder Drohnen sind entsprechend nicht erlaubt. Sobald ihr euch auf Privatgrundstücken oder innerhalb eines Gebäudes aufhaltet, müsst ihr den Besitzer um Erlaubnis fragen. Weltweit geht jedes Land auf eigene Weise mit der Panoramafreiheit um. In einigen wie Irland und England dürft ihr öffentliche Gebäude auch von innen fotografieren, während in anderen Ländern, zum Beispiel Frankreich, strengere Regeln gelten. Dort dürft ihr urheberrechtlich geschützte Bauten ohne Erlaubnis auch nicht für die private Nutzung von außen fotografieren. So kommt es beim Eiffelturm zu der skurrilen Situation, dass kein Urheberrecht mehr besteht (dieses erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Erbauers, im Fall von Gustave Eiffel also 1993). Geschützt ist allerdings noch die Lichtinstallation, die nachts den Turm anstrahlt. Somit dürft ihr tagsüber fotografierte Bilder veröffentlichen, mit Beleuchtung dagegen nur mit Erlaubnis. Informiert euch also vor Reiseantritt stets über die rechtliche Situation im Reiseland. Einen ersten Überblick bietet euch der Wikipedia-Artikel „Panormafreiheit“, der die rechtlichen Regelungen der meisten Länder auflistet.

Darf ich Menschen fotografieren?

Wollt ihr auf eurer Reise das Leben der Einheimischen dokumentieren, müsst ihr sie erst um Erlaubnis fragen. In einigen Ländern wie Deutschland schreibt euch dies ein Gesetz vor, in anderen der Anstand. Da Fragen bekanntermaßen nichts kostet, müsst ihr davor auch keine Scheu haben. Bei einer freundlichen Kontaktaufnahme sagen Einheimische selten nein. Und falls doch, dann ist es halt so. Es gibt Schlimmeres. Die Mitglieder manch eines indigenen Stamms verlangen auch einen Obolus, damit ihr sie fotografieren dürft – beispielsweise die Himba im Norden Namibias. Durch ihre mit einer ockerfarbenen Paste behandelten Haare wirken sie besonders exotisch und gegen Bezahlung dürft ihr diesen Anblick auch festhalten. Das mag auf manche wie Touristenabzocke wirken, doch für den autark lebenden Stamm stellt das oft die einzige Einnahmequelle dar.